Breast. Forward.

FMCH reicht Beschwerde gegen nicht sachgerechte ambulante Pauschalen beim BVGer ein

Der Schweizer Gesundheitssystems wird derzeit geprüft, wie ambulante medizinische Leistungen künftig vergütet werden. Entscheidungen, die auf dem Papier technisch wirken, beeinflussen in der Praxis, welche Untersuchungen für Frauen verfügbar bleiben – und unter welchen Bedingungen.

Im Dezember 2025 hat der Dachverband der Schweizer Fachärztinnen und Fachärzte, die FMCH, deshalb eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (BVGer) eingereicht. Der Vorwurf: Bestimmte neue ambulante Pauschalen seien medizinisch nicht sachgerecht ausgestaltet.

Worum geht es konkret?

Die Schweiz reformiert aktuell ihr ambulantes Tarifsystem. Ziel ist es, die Abrechnung medizinischer Leistungen zu modernisieren und transparenter zu gestalten. Ein zentrales Element dieser Reform sind ambulante Pauschalen: Mehrere medizinische Leistungen werden dabei unter einem festen Betrag zusammengefasst.

Dieses Prinzip kann sinnvoll sein – insbesondere dort, wo Leistungen standardisiert und gut vergleichbar sind. Es setzt jedoch voraus, dass die zusammengefassten Leistungen in Aufwand, Komplexität und Ressourcenbedarf ähnlich sind.

Genau hier sieht die FMCH bei einzelnen Pauschalen ein Problem.

Warum hat die FMCH Beschwerde eingelegt?

Nach Einschätzung der FMCH berücksichtigen bestimmte Pauschalen die medizinische Realität nicht ausreichend. Leistungen, die sich im klinischen Alltag deutlich unterscheiden, etwa hinsichtlich:

•   technischer Anforderungen

•   Zeitaufwand

•   personeller Ressourcen

würden gleich vergütet.

Das kann unbeabsichtigte Folgen haben. Nicht, weil Ärztinnen und Ärzte anders entscheiden wollen – sondern weil wirtschaftliche Rahmenbedingungen beeinflussen, welche Leistungen langfristig tragfähig angeboten werden können.

Wichtig ist dabei: Die FMCH stellt die Reform nicht grundsätzlich infrage. Die Beschwerde richtet sich gezielt gegen einzelne Ausgestaltungen, die aus fachlicher Sicht überprüft werden sollten.

Was prüft das Bundesverwaltungsgericht?

Mit der Beschwerde soll geklärt werden, ob die beanstandeten Pauschalen den gesetzlichen Anforderungen an Sachgerechtigkeit entsprechen. Das Krankenversicherungsgesetz verlangt, dass Tarife medizinisch angemessen und nachvollziehbar ausgestaltet sind.

Das Bundesverwaltungsgericht hat den Eingang der Beschwerde bestätigt; eine inhaltliche Entscheidung steht derzeit noch aus.

Solche Prüfungen sind Teil eines funktionierenden Systems. Sie dienen dazu, Reformen weiterzuentwickeln und unbeabsichtigte Effekte frühzeitig zu erkennen.

Die Haltung von Breast.Forward

Breast.Forward setzt sich für eine moderne, transparente Tarifstruktur ein – eine, die bewährte medizinische Angebote sachgerecht abbildet und erhält. Gleichzeitig halten wir es für wichtig, dort genauer hinzuschauen, wo Reformen direkte Auswirkungen auf sensible Versorgungsbereiche haben können. Unser Anliegen ist es, diese Zusammenhänge klar und verständlich darzustellen – insbesondere für Frauen, die von diesen Entscheidungen betroffen sein können, bevor sie die Auswirkungen im Alltag spüren.

Warum betrifft das Frauen besonders?

Tarifentscheidungen wirken nicht sofort. Ihre Auswirkungen zeigen sich schrittweise – etwa darin, welche Verfahren wirtschaftlich tragfähig bleiben.

Moderne, minimalinvasive Abklärungsverfahren sind häufig:

•   technisch anspruchsvoll

•   qualitätsabhängig

•   mit höherem Material- und Personalaufwand verbunden

Wenn solche Verfahren in Pauschalen nicht angemessen abgebildet werden, besteht das Risiko, dass sie wirtschaftlich unter Druck geraten – auch wenn sie medizinisch etabliert und leitliniengerecht sind.

Für Frauen bedeutet das:

•   weniger Wahlmöglichkeiten

•   veränderte Abklärungswege

•   potenziell invasivere Alternativen

Warum diese Debatte wichtig bleibt

Was heute in Tarifsystemen entschieden wird, zeigt seine Wirkung oft erst später – dann, wenn eine medizinische Abklärung notwendig wird und Frauen auf verlässliche Optionen angewiesen sind.

Die Beschwerde der FMCH lenkt den Blick auf genau diesen Zusammenhang. Sie macht sichtbar, dass Vergütung nicht losgelöst von medizinischer Praxis betrachtet werden kann. Denn Tarife beeinflussen, welche diagnostischen Verfahren angeboten werden können und wie zugänglich sie bleiben.

Für Patientinnen geht es dabei vor allem um Verlässlichkeit und Vertrauen. Um das Vertrauen darauf, dass medizinische Entscheidungen auch künftig auf fachlicher Expertise basieren – und dass moderne, minimalinvasive Diagnostik weiterhin zugänglich bleibt.

Breast.Forward versteht diese Diskussion nicht als Konfrontation, sondern als notwendigen Teil eines Weiterentwicklungsprozesses. Ziel ist es, darauf aufmerksam zu machen, wo tarifliche Regelungen überprüft werden sollten, um unbeabsichtigte Auswirkungen auf die Versorgung von Frauen zu vermeiden. Denn eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung lebt davon, dass medizinische Evidenz, klinische Erfahrung und strukturelle Rahmenbedingungen zusammenpassen.

Wenn Sie dieses Anliegen unterstützen möchten, können Sie hier die Petition unterschreiben.